Je näher man ein Wort ansieht, desto ferner sieht es zurück, sagt Karl Kraus. Das gilt für die Sprache insgesamt: Warum zum Beispiel kann man unterstützt, aber nicht geholfen werden? Und weshalb ist etwas schlechter, aber nicht güter?

Es war der Lateinunterricht in meinem Walsroder Kleinstadtgymnasium, der mir diesen ethnologischen Blick auf die Sprache vermittelte: In dieser Sprache  gibt es zum Beispiel Verben, die nur in der Passiv-Form vorkommen, obwohl sie aktive Bedeutungen haben. „Sprechen“ heißt „loqui“, was eigentlich als „gesprochen werden“ zu übersetzen wäre. „Die spinnen, die Römer“, war meine erste Reaktion. Bei „mori“, dem Wort für „sterben“, kam ich allerdings ins Grübeln. „Gestorben werden“ trifft es doch eigentlich ganz gut. Denn es ist ja nichts, was man tut. Sondern etwas, das mit einem geschieht.

Damals bekam ich eine Ahnung davon, dass jede Sprache einer eigenen, historisch gewachsenen Logik folgt. Seitdem fasziniert Sprache mich in all ihren Facetten: als komplexes Medium der Kommunikation, als Reflex gesellschaftlicher Entwicklungen und Zeugnis der Geschichte, als neurobiologisch verankerte Fähigkeit und Spiegel der Kultur.

Über linguistische Forschungen schreibe ich nicht nur als Journalist, ich betreibe sie auch selbst. Als Lehrbeauftragter für Germanistische Linguistik habe ich an den Universitäten Hamburg und Bremen Seminare zu Themen aus den Bereichen Grammatik, Sprachgeschichte, Sprachkritik, Medienlinguistik und Niederdeutsch veranstaltet.

Welcher Fall?

Sprachwissenschaftliche Arbeiten (Auswahl)

Sprachgeschichte: Was heißt hier Deutsch?
Was heißt hier Deutsch? Kleine Geschichte der deutschen Sprache. C.H.Beck, München 2010 (Download PDF)

Wortgeschichte: Der Polizist als ‚Bulle‘
Der Polizist als Bulle: Zur Etymologie und historischen Entwicklung eines Reizwortes. In: Muttersprache. Vierteljahresschrift für deutsche Sprache. Jg. 126, Heft 1, 2016, S. 31-78 (Download PDF)

Grammatik: „Besser als wie man denkt.“
Besser als wie man denkt. „Schlechtes Deutsch“ als Werbebotschaft. In: Muttersprache. Vierteljahresschrift für deutsche Sprache. Jg. 122, Heft 2, 2012, S. 102-130 (Download PDF)

Grammatik: Des Menschens Genitive
Des Menschens Genitive. Normabweichende Genitiv-Varianten bei schwachen Maskulina. In: Linguistik online Bd. 53, Heft 3 / 2012, S. 55-84
https://bop.unibe.ch/linguistik-online/article/view/289

Volksetymologie: Auf schmalem Grad im Spießroutenlauf
Auf schmalem Grad im Spießroutenlauf. Idiom-Fehlschreibungen zwischen Orthographieschwäche und Volksetymologie. In: Muttersprache. Vierteljahresschrift für deutsche Sprache. Jg. 124, Heft 1, 2014, S. 57-91 (Download PDF)

Sprachkritik: Der Journalist als Sprachexperte?
Der Journalist als Sprachexperte? Sprachkritik in der Publizistik. In: Medium. Zeitschrift für Hörfunk, Fernsehen, Film, Presse. Jg. 15, H. 8, S. 37-43 (Download PDF)

Sprache des Wissenschaftsjournalismus
Zur Sprache der fachexternen Massenkommunikation. Mikrochips als Pressethema. (Sprache i. d. Ges.. Beitr. zur Sprachw.. Bd. 25, hg. v. J. Hennig, E. Straßner u R. Rath). Peter Lang. Frankfurt /M., 1998
https://www.peterlang.com/view/title/24754

Sprache der Wissenschafts-PR
PR-Texte für die Wissenschaft. Zur Produktion und Revision fachexterner Pressemitteilungen. In: Fachsprache. Internationale Zeitschrift für Fachsprachenforschung, -didaktik und Terminologie. 20. Jg., Heft 3-4 /2004, S. 114-132 (Download PDF)

Journalistische Veröffentlichungen zu sprachlichen Themen (Auswahl)

Tatsächlich ist der Bulle kein Stier
Kluger Mann: Zur Sprachgeschichte einer Schmähkritik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.4.2016, S N3 (Download PDF)

Linguistische Analyse : Wer war Jack the Ripper?
Wer Jack the Ripper wirklich war, wird man auch nach den Forschungen von Andreas Nini nicht mit Sicherheit wissen. Aber man kommt der Auflösung des großen Rätsels ein Stück näher. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.4.2016
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/linguistische-analyse-wer-war-jack-the-ripper-15612405.html

Kurze Sätze gut
Manche Sprachen haben extrem komplizierte Regeln, andere ganz einfache. Woran liegt das? DIE ZEIT, 12. Juli. Nr. 29/2012
https://www.zeit.de/2012/29/Sprache-Grammatik

Forensische Linguistik: Wer war’s?
Bekennerschreiben oder anonymer Drohbrief: Ein Fall für forensische Linguisten. Sie suchen in den Texten der Täter deren persönlichen Sprachabdruck. DIE ZEIT 25. Juli 2013, Nr. 31/2013
https://www.zeit.de/2013/31/forensische-linguistik

Wer lesen kann, kontert schneller
Mangelnde Lesefähigkeit wirkt sich auch auf die mündliche Kommunikation aus In: Wortspiegel. Die Fachzeitschrift der LOS. Heft 2, 2014, S. 29-30 (Download PDF)

Runen aus Karthago
Sprachwissenschaftler streiten über den Ursprung des Deutschen. Haben afrikanische Händler ihre Sprache und Schrift an die Nordseeküste gebracht? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.6.2020
https://www.faz.net/aktuell/wissen/archaeologie-altertum/runen-aus-karthago-streit-ueber-den-ursprung-des-deutschen-16816963.html

Sprachglosse: „Streitkultur“ – Hart und nobel
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.1.2020 (Download PDF)

Sprachglosse: „Resilienz“ – Wir Stehaufmännchen
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.4.2019
https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/wir-stehaufmaennchen-ueber-den-modebegriff-resilienz-16143049.html